Soziales
Ein solidarischer Bezirk lebt von starken Kiezen, kurzen Wegen und verlässlicher Unterstützung für Menschen in allen Lebenslagen. Reinickendorf ist vielfältig – und genau diese Vielfalt wollen wir stärken. Unser Ziel ist ein Kiez für alle Menschen, der Teilhabe ermöglicht, Sicherheit gibt und niemanden zurücklässt. Soziale Politik heißt für uns: Solidarität, Generationengerechtigkeit und krisenfeste Nachbarschaften.
Starke soziale Kieze und kurze Wege
Jeder Kiez in Reinickendorf ist anders. Deshalb wollen wir die Sozialraumorientierung weiter ausbauen und neu beleben. In allen Kiezen sollen die Bedürfnisse der Menschen systematisch ermittelt werden, um soziale Angebote passgenau zu planen und mit dem notwendigen Budget auszustatten.
Das Quartiersmanagement ist dabei ein zentrales Instrument. Wir setzen uns für dessen Verstetigung und Ausweitung in allen Kiezen ein. Öffentliche Angebote müssen gut erreichbar sein, Barrieren konsequent abgebaut werden – sprachlich, baulich und organisatorisch.
Beteiligung ist für uns ein Grundprinzip. Wir wollen den regelmäßigen Austausch mit dem Jugendparlament, den Senior*innen- und Behindertenvertretungen sowie weiteren Interessengruppen fest verankern, damit politische Entscheidungen die Lebensrealitäten im Bezirk widerspiegeln.
Begegnung ermöglichen – für alle Generationen
Ein lebenswerter Bezirk braucht Orte der Begegnung. Wir wollen den öffentlichen Raum so gestalten, dass Menschen sich gerne dort aufhalten: mit Sitzbänken, altersgerechten Spiel- und Sportflächen, gut gepflegten Parks sowie dem Ausbau von Mehrgenerationenhäusern und Nachbarschaftszentren.
Der zunehmenden Vereinsamung wollen wir mit einer bezirklichen Strategie begegnen. Zivilgesellschaftliche Akteure – etwa Religionsgemeinschaften, Sport- und Kulturvereine, Pflege- und Hausnotrufdienste – sollen aktiv eingebunden werden. Freizeitangebote für ältere Menschen, generationsübergreifende Projekte, Ausflüge und Angebote des lebenslangen Lernens wollen wir ausweiten und besser sichtbar machen.
Die Pflegestützpunkte und Seniorenheime wollen wir stärker miteinander sowie mit Nachbarschaften und Kultureinrichtungen vernetzen. Ehrenamt und Freiwilligenarbeit fördern wir gezielt – gute Beispiele wie das Wunschgroßelternprogramm zeigen, wie generationenübergreifende Solidarität gelingen kann.
Öffentliche Räume erhalten und krisenfest machen
Begegnungsorte müssen gepflegt und nutzbar bleiben. Die Instandhaltung von Spiel-, Sport- und Grünflächen hat für uns hohe Priorität. Nach extremen Ereignissen wie dem Sturm 2025 müssen diese Orte schnell wieder geöffnet werden. Dafür braucht es einen verbindlichen Krisenplan, der Zuständigkeiten klärt und Verzögerungen vermeidet.
Reinickendorf hat Platz für junge Menschen
Kinder und Jugendliche brauchen Freiräume. Wir sichern und finanzieren bestehende Jugendfreizeiteinrichtungen und wollen gemeinsam mit freien Trägern neue Angebote entwickeln – etwa im Bereich E-Sport oder durch Mehrfachnutzung von Einrichtungen.
Gerade Jugendliche brauchen kostenfreie Treffpunkte im öffentlichen Raum, auch in den Abendstunden. Diese Orte wollen wir gemeinsam mit Jugendlichen planen – innen wie außen – und dabei insbesondere sichere Räume für junge Menschen mitdenken.
Soziale und krisenfeste Kieze aufbauen
Klimakrise, Extremwetter und gesellschaftliche Krisen erfordern Vorbereitung. Wir werden als Bezirk fachlich qualifiziertes Personal einstellen, um gemeinsam mit den Menschen vor Ort Konzepte für krisenfeste Kieze zu entwickeln, die die unterschiedlichen Lebensrealitäten im Bezirk berücksichtigen – vom Märkischen Viertel bis Heiligensee.
Zudem werden wir als Bezirk Notfallkonzepte und Ablaufpläne für verschiedene Krisenszenarien entwickeln, einschließlich des Ausfalls und der Gefährdung kritischer Infrastrukturen, wie der Strom- oder Wasserversorgung und schweren Sturmschäden im Bezirk.
Der Hitzebedarfsplan soll weiterentwickelt und stärker auf besonders gefährdete Menschen ausgerichtet werden. Dazu gehören auch Notfallkonzepte bei Stromausfällen, etwa für Menschen mit Heimbeatmung. Pflegedienste sollen hier enger eingebunden werden.
Als übergeordnetes Ziel setzen wir uns für eine lokale Koordinierungsstelle für krisenfeste Kieze ein. Sie soll Anlaufstelle für die Bevölkerung sein, Informations- und Weiterbildungsangebote bereitstellen, Vernetzung fördern und Konzepte entwickeln, wie für Menschen ohne ausreichend Stauraum bei sich zu Hause eine Möglichkeit geschaffen wird, wohnortnah Zugriff auf zentralisiert gelagerte Notvorräte zu erhalten. Ergänzend streben wir ein freiwilliges Notfallregister für Menschen mit besonderen Unterstützungsbedarfen an. Dies soll im Einklang mit geplanten Vorhaben auf der Landesebene erfolgen. Wenn nötig, werden wir hier aber auch eine Vorreiterrolle einnehmen.
Zudem begrüßen wir die geplante Schaffung einer berlinweiten Helfer*innenplattform. Die über sie erfassten und organisierten Freiwilligen und ihre Fähigkeiten sollen auch bei den Katastrophenschutzplänen des Bezirks mitgedacht und berücksichtigt werden.
Um die Bewältigung verschiedener Szenarien zu erproben, die Rolle der Verwaltung in Krisen zu trainieren und die Zusammenarbeit mit den verschiedenen an der Bewältigung von Ausnahmesituationen beteiligten Akteuren, wie den Hilfsorganisationen, der Feuerwehr und dem THW, zu üben, werden wir jährlich akteursübergreifende Stabsrahmenübungen abhalten.
Wohnungslosigkeit vorbeugen und Perspektiven schaffen
Immer mehr Menschen – auch Familien – sind wohnungslos oder von Wohnungsverlust bedroht. Wir wollen die Kältehilfe ausbauen, die Wohnungslosenhilfe stärken und die Fachstelle Wohnungsnotfallhilfe als zentrale, auch aufsuchende Anlaufstelle weiterentwickeln.
Das Konzept Housing First ist ein wichtiger Schritt, den wir früher als geplant im Bezirk verankern wollen. Erfolgreiche Projekte wie die Tiny Houses wollen wir sichern und ausbauen. Zusätzlich setzen wir uns für betreute Wohnformen ein, die wohnungslosen Menschen einen Neustart ohne Druck ermöglichen.
Sozialämter stärken – Hilfe statt Hürden
Sozialämter müssen Orte der Unterstützung sein, nicht der Angst. Wir wollen die Personal- und Ausbildungsstrukturen stärken, interne Abläufe vollständig digitalisieren und Bürokratie abbauen – auch durch den sinnvollen Einsatz von KI zur Entlastung der Mitarbeitenden.
Für Antragstellende muss der Zugang persönlich, verständlich und ohne Digitalzwang bleiben. Anträge sollen möglichst formlos sein, Nachweise vereinfacht und Überprüfungsfristen verlängert werden. Kleine, einmalige Einkommensschwankungen dürfen nicht zu existenziellen Kürzungen führen.
Wir wollen zudem die mobilen Angebote des Bezirks – etwa mobiles Bürgeramt und mobiles Familienbüro – ausweiten, um Menschen wohnortnah zu beraten.
Beratung ausbauen und Gewalt verhindern
Der Bedarf an Schuldner- und Insolvenzberatung ist hoch. Wir wollen diese Angebote ausbauen, präventiv stärken und auch aufsuchend – etwa in Schulen und Nachbarschaftszentren – anbieten. Freie Träger müssen dafür dauerhaft ausreichend finanziert werden.
Gewalt hat keinen Platz in Reinickendorf. Wir setzen uns für den Ausbau von Frauenhäusern, Schutzplätzen und Beratungsstellen ein und stärken Prävention durch Aufklärung, Schulungen und Netzwerke. Gleichzeitig wollen wir Beratungsangebote für Männer, die Gewalt erlebt haben oder ausüben, ausbauen und positive Vorbilder für eine respektvolle, gewaltfreie Männlichkeit sichtbar machen.
Unser Ziel ist ein Reinickendorf, in dem niemand Angst haben muss – sichere Kieze durch die Verminderung von Notlagen, getragen von Solidarität, Nachhaltigkeit und gegenseitiger Unterstützung.
Bildung und Schule
Wir wollen gerechte Startchancen für alle Kinder in Reinickendorf.
Bildung entscheidet über Lebenschancen. Unser Ziel ist es, dass alle Kinder in Reinickendorf faire und gerechte Startchancen haben – unabhängig von Herkunft, Einkommen oder Unterstützungsbedarf. Gute Kitas und Schulen, sichere Wege, moderne Gebäude und eine demokratische Lernkultur sind dafür zentrale Voraussetzungen. Bildungspolitik ist für uns immer auch Sozial-, Klima- und Demokratiepolitik.
Sichere Wege und gute Lernorte
Kinder und Jugendliche müssen sich sicher bewegen können – auf dem Weg zur Kita, zur Schule, zu Jugendfreizeiteinrichtungen und Spielplätzen. Wir setzen uns für sichere Schulwege, Verkehrsberuhigung, gute Beleuchtung und eine kinderfreundliche Verkehrsplanung ein. Schule endet nicht am Schultor: Auch das Umfeld muss Schutz, Orientierung und Selbstständigkeit ermöglichen.
Individuelle Förderung und Vielfalt anerkennen
Jedes Kind lernt anders. Deshalb wollen wir die individuelle Förderung von Schüler*innen stärken – durch zusätzliche Unterstützungsangebote, verlässliche Hausaufgabenbetreuung und den Ausbau von herkunftssprachlichem Unterricht. Mehr Gemeinschaftsschulen im Bezirk ermöglichen längeres gemeinsames Lernen, verringern soziale Auslese und vermeiden den Stress beim Übergang in die weiterführende Schule. Wir fordern eine zusätzliche gymnasiale Oberstufe für die Integrierten Sekundarschulen (ISS) im Norden des Bezirks. Vielfalt sehen wir als Stärke – Schule muss dieser Realität gerecht werden.
Inklusion konsequent umsetzen
Inklusive Bildung braucht mehr als gute Absichten. Inklusiven Schwerpunktschulen leisten herausragende Arbeit unter oft schweren Bedingungen. Diese Schulen, und solche, die sich zu inklusiven Schwerpunktschulen entwickeln wollen, müssen vom Bezirk gezielt gefördert, ausgestattet und personell unterstützt werden. Inklusion darf nicht an fehlenden Räumen, Materialien oder Fachkräften scheitern. Unser Ziel sind Schulen, in der alle Kinder selbstverständlich dazugehören.
Demokratische Schule stärken
Schule ist ein zentraler Ort demokratischen Lernens. Wir wollen Beteiligungsgremien stärken, das Jugendparlament im Bezirk aktiv bewerben und Formate wie den Schüler*innenhaushalt unterstützen. Mitbestimmung fördert Verantwortung, politische Bildung und Selbstwirksamkeit – und stärkt unsere Demokratie von klein auf.
Vorausschauende Schulentwicklungsplanung
Damit alle Familien einen Schulplatz in ihrer Wohnumgebung finden, braucht es einen vorausschauenden und bedarfsgerechten Schulentwicklungsplan. Neubauten wie der geplante Neubau der Münchhausen-Grundschule zeigen, wie wichtig langfristige Planung ist. Schulplätze müssen rechtzeitig geschaffen werden – angepasst an Bevölkerungsentwicklung und die Bedarfe vor Ort.
Nachhaltige Schulgebäude und gute Ausstattung
Schulen sind zentrale öffentliche Gebäude und müssen Vorbilder beim Klimaschutz sein. Wir setzen uns dafür ein, dass neue Schulbauten ausschließlich in ökologischer Bauweise entstehen. Gleichzeitig müssen bestehende Schulgebäude konsequent instandgehalten werden. Dazu gehören auch ausreichend Hausmeister*innen, die für Sicherheit, Sauberkeit und funktionierende Gebäude sorgen.
Gutes Schulessen für alle
Ein gutes Schulessen ist Teil guter Bildung. Es soll lecker, gesund, ökologisch und bezahlbar sein. Wir wollen die Qualität weiter verbessern und sicherstellen, dass alle Kinder Zugang zu einem guten Mittagessen haben – unabhängig vom Einkommen der Eltern.
Außerschulische Bildung stärken
Bildung findet nicht nur im Klassenraum statt. Jugendverkehrsschulen, Musikschulen und die Volkshochschule leisten einen wichtigen Beitrag zu Bildung, kultureller Teilhabe und lebenslangem Lernen. Wir wollen diese Einrichtungen besser ausstatten und gezielt fördern.
Schulen sollen stärker in den Sozialraum geöffnet werden: Schulhöfe können am Wochenende Spielplätze sein, Schulgebäude Orte für Vereine, außerschulische Lernangebote und Nachbarschaft.
Schutz, Prävention und Verantwortung
Kinder und Jugendliche brauchen sichere Orte. Wir setzen uns für konsequente Maßnahmen gegen sexualisierte Gewalt an allen Schulen ein – durch Präventionskonzepte, Fortbildungen, klare Zuständigkeiten und verlässliche Ansprechstellen. Schutz und Vertrauen sind unverzichtbare Grundlagen für erfolgreiches Lernen.
Gesundheit und Pflege
Gesundheit entsteht nicht nur in Arztpraxen oder Krankenhäusern, sondern im Alltag der Menschen: im Wohnumfeld, in sozialen Beziehungen, durch Umweltbedingungen, Bildung und Vorsorge. In Zeiten von Pandemien, Klimakrise und wachsender sozialer Ungleichheit wollen wir Reinickendorf gesundheitsförderlich, unterstützend und widerstandsfähig gestalten. Unser Ziel ist ein Bezirk, der Sicherheit gibt, Solidarität stärkt und allen Menschen den Zugang zu guter Gesundheitsversorgung und Pflege ermöglicht.
Gesundheitsgerechtigkeit im Kiez stärken
Lärm, Feinstaub und Hitze belasten die Gesundheit ebenso wie Einsamkeit, Armut und fehlende soziale Unterstützung. Diese Faktoren verstärken körperliche und psychische Erkrankungen sowie Suchterkrankungen. Besonders betroffen sind Kinder, Familien, ältere Menschen sowie armutsbetroffene oder gesundheitlich vorbelastete Personen.
Wir wollen Gesundheit fördern, indem wir ressortübergreifende, präventive Maßnahmen im Bezirk stärken und eine niedrigschwellige, qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung ausbauen und sichern. Voraussetzung dafür sind ein leistungsfähiger Öffentlicher Gesundheitsdienst, starke soziale Hilfesysteme und gut vernetzte Angebote vor Ort. Den öffentlichen Gesundheitsdienst wollen wir personell stärken, modern ausstatten und als Arbeitgeber attraktiver machen.
Gesundheitsstrukturen bedarfsgerecht weiterentwickeln
Wir setzen uns dafür ein, die Gesundheitsstrukturen in allen Kiezen Reinickendorfs systematisch zu überprüfen: Sind sie gut erreichbar, barrierefrei, qualitativ hochwertig – auch im Krisenfall? Dabei sollen bestehende Netzwerke wie Familien- und Nachbarschaftszentren, Quartiersmanagements und Pflegestützpunkte aktiv eingebunden werden.
Bedarfsorientiert wollen wir aufsuchende und wohnortnahe Angebote wie Gesundheitskioske und Community Health Nurses etablieren. Zudem soll geprüft werden, ob die gut etablierten Kiezsprechstunden des Gesundheitsamts ausgeweitet werden können – sowohl räumlich als auch inhaltlich, etwa um das Thema psychische Gesundheit.
Gesundheit von Kindern früh fördern
Gesundheitsbildung beginnt in der Kindheit. Deshalb sollen Kitas, Schulen und Sportvereine stärker in Prävention und Gesundheitsbildung eingebunden werden. Gesundheitsthemen sollen selbstverständlich mitgedacht und vermittelt werden – von Ernährung über Bewegung bis hin zu psychischer Gesundheit.
Wir setzen uns für multiprofessionelle Teams an Schulen ein und wollen Kita- und Schulsozialarbeit ausbauen und flächendeckend sichern. Darüber hinaus fordern wir die Einführung von Schulgesundheitsfachkräften, die eine wichtige Schnittstelle zwischen Gesundheit, Bildung und Familie bilden. Reinickendorf soll sich auf Bezirks- und Landesebene dafür einsetzen, Pilotbezirk für entsprechende Modelle zu werden.
Um Familien zu entlasten, sollen Ergotherapie und Logopädie bei Bedarf direkt in Kitas und Schulen stattfinden können. Kostenfreie Hygieneartikel in Schulen, Jugendfreizeiteinrichtungen und anderen öffentlichen Einrichtungen gehören für uns zu einer modernen Gesundheitsvorsorge.
Psychische Gesundheit und Suchthilfe ausbauen
Psychische Gesundheit ist ein zentraler Bestandteil kommunaler Prävention. Wir wollen, dass dieses Thema im Bezirk selbstverständlich mitgedacht wird. Besonders Kinder aus psychisch oder suchtbelasteten Familien brauchen frühzeitige, gezielte Unterstützung.
Wir setzen uns für ein kommunales Gesamtkonzept zur Prävention ein, orientiert an erfolgreichen Modellen aus anderen Kommunen und an bundesweiten Empfehlungen. Stigmatisierung psychischer Erkrankungen und von Sucht wollen wir durch regelmäßige Kampagnen, Veranstaltungen und Aufklärung abbauen.
Beratungs- und Unterstützungsangebote für Menschen mit psychischen Erkrankungen oder Suchterfahrungen wollen wir ausbauen, besser vernetzen und langfristig absichern – auch über Projektlaufzeiten hinaus. Neben allgemeinen Präventionsangeboten sollen gezielte Gruppenangebote, parallele Hilfen für Kinder und Eltern sowie aufsuchende Beratungs- und Therapieangebote geschaffen werden.
Kinder und Jugendliche sollen unabhängig von ihren Eltern besser über niedrigschwellige Hilfsangebote informiert werden – etwa durch Angebote in Schulen, Jugendfreizeiteinrichtungen oder durch Plakat- und Onlinekampagnen. Eltern sollen regelmäßig Zugang zu Informations- und Austauschformaten erhalten. Schulen wollen wir ermutigen, sich an wissenschaftlich begleiteten Präventionsprogrammen zur psychischen Gesundheit zu beteiligen.
In der Drogenpolitik setzen wir auf Prävention, Gesundheitsschutz und Hilfe statt Ausgrenzung. Sucht ist eine Krankheit. Wir unterstützen Straßensozialarbeit, Jugendzentren und Beratungsangebote und setzen uns für Maßnahmen wie Drug Checking, saubere Konsumutensilien und aufsuchende Hilfen ein, um Gesundheit zu schützen und öffentliche Räume sicher zu gestalten.
Klimaresilienz, Hitze- und Infektionsschutz
Der Klimawandel ist eine Gesundheitsfrage. Wir haben den Weg für Hitzeschutzpläne in Reinickendorf geebnet und wollen diese kontinuierlich weiterentwickeln. Bei allen Planungen sollen öffentliche Hitzeschutzräume, Schattenorte, Trinkbrunnen und Sonnenschutzangebote mitgedacht werden – angepasst an die Bedarfe der einzelnen Kieze. Auch öffentliche Spender für Sonnenschutzmittel, etwa an Schulen, Sportstätten und stark frequentierten Orten, gehören dazu.
Katastrophenschutz – Mensch und Umwelt schützen
Wir setzen uns dafür ein, die Zusammenarbeit der Katastrophenschutzbehörden im Bezirk an die neuen Herausforderungen anzupassen. Dazu gehört auch die Erstellung von Notfallkonzepten für einen Ausfall in der kritischen Infrastruktur (KRITIS), insbesondere im Bereich der Energieversorgung. Es muss klar sein, wo gefährdete Objekte wie beispielsweise Pflegeheime liegen, wer Ansprechpartner ist und wie die Notstromversorgung gesichert ist.
Darüber hinaus setzen wir uns für einen aufsuchenden Bevölkerungsschutz ein, der Menschen vor Ort erreicht, gegenseitige Unterstützung stärkt und auf Extremwetterereignisse vorbereitet. Der Bezirk soll analysieren, wo Menschen in Hitze oder Krisensituationen besonders gefährdet sind, und entsprechende Lösungen entwickeln, beispielsweise wenn ältere Menschen bei starker Hitze aufgrund eines defekten Aufzuges bis in hohe Etagen und bei großer Hitze die Treppen nutzen müssen. Wir setzen uns dafür ein, dass, bspw. über das Quartiersmanagement, Strukturen geschaffen werden, die die Menschen in den Kiezen in Krisensituationen in die Lage versetzen, sich gegenseitig zu unterstützen. Hierzu gehört unter anderem das Bereitstellen geteilter Ressourcen zur Krisenbewältigung und Fortbildungen für das richtige Verhalten in Ausnahmesituationen. Außerdem soll für alle Menschen im Kiez vor Ort eine niedrigschwellig erreichbare Ansprechperson des Bezirks existieren. Notfallpläne für Stromausfälle, Stürme und andere Krisen müssen insbesondere die Versorgung von Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und häuslich gepflegten Menschen absichern.
Auch der Infektionsschutz bleibt zentral. Wir setzen uns dafür ein, dass Schulen, Kitas und öffentliche Einrichtungen mit viel Publikumsverkehr mit Luftfiltergeräten ausgestattet werden. In Neubauten sollen entsprechende Systeme von Anfang an eingeplant werden, um Infektionen und Feinstaubbelastung zu reduzieren und Schul- sowie Arbeitsfähigkeit zu sichern.
Gute Pflege als Zukunftsaufgabe
Immer mehr Menschen werden auf Pflege angewiesen sein. Der demografische Wandel ist eine Herausforderung – aber auch eine Chance, Pflege neu zu denken. Wir wollen, dass Reinickendorf ein Bezirk guter, würdevoller Pflege wird.
Dazu gehören der Ausbau und die Weiterentwicklung der Pflegestützpunkte, unter anderem um Palliativ- und Hospizberatung für alle Altersgruppen. Selbsthilfegruppen und Angebote zur Entlastung pflegender Angehöriger wollen wir stärken. Unser Ziel ist es, Menschen dabei zu unterstützen, möglichst lange selbstbestimmt im vertrauten Zuhause leben zu können.
Innovative, nachhaltige Wohn- und Pflegekonzepte – etwa für Menschen mit Demenz – wollen wir fördern. Bei neuen Einrichtungen müssen Menschlichkeit, Nachhaltigkeit und Quartiersbezug im Mittelpunkt stehen.
Älterwerden
Reinickendorf ist ein Bezirk für alle Generationen. Viele ältere Menschen sind aktiv, engagieren sich ehrenamtlich, unterstützen Familien durch Enkelbetreuung oder arbeiten über das Rentenalter hinaus. Dieses Engagement ist ein großer Gewinn für unsere lebendigen Kieze und verdient Anerkennung und Unterstützung. Gleichzeitig erleben viele Senior*innen Einsamkeit, Isolation oder strukturelle Hürden. Unser Ziel ist es, dass Menschen in Reinickendorf gut, sicher und selbstbestimmt älter werden können.
Dazu wollen wir Ehrenamt, Freiwilligenarbeit und lebenslanges Lernen gezielt stärken und ältere Menschen stärker an politischen Entscheidungen beteiligen, etwa über die Seniorenvertretungen. Teilhabe im Alter stärkt nicht nur die Einzelnen, sondern den gesellschaftlichen Zusammenhalt insgesamt.
Mit zunehmendem Alter steigen gesundheitliche Einschränkungen. Deshalb brauchen wir mehr barrierefreie und altersgerechte Wohnungen im Bestand. Umbauten wie bodengleiche Bäder, Haltegriffe oder Treppenlifte müssen erleichtert und besser unterstützt werden, damit Menschen möglichst lange in ihrer vertrauten Umgebung leben können. Dafür wollen wir auch neue Wohnformen unterstützen, beispielsweise indem wir Studierende mit Senior*innen zusammenbringen oder den Wohnungstausch erleichtern.
Auch der öffentliche Raum muss altersgerecht gestaltet sein. Eine senior*innenfreundliche Verkehrsplanung bedeutet sichere, gut beleuchtete Gehwege, ausreichend Sitzgelegenheiten sowie angepasste Ampelschaltungen, die Mobilität und Sicherheit gewährleisten.
Die fortschreitende Digitalisierung darf ältere Menschen nicht ausschließen. Wir setzen uns für Schulungs- und Unterstützungsangebote ein, die digitale Kompetenzen stärken. Gleichzeitig müssen analoge Zugänge zu Verwaltung, Gesundheitsversorgung und Alltagsdienstleistungen erhalten bleiben.
Besonderen Schutz brauchen ältere Menschen vor Betrug und Übergriffen, sowohl im öffentlichen Raum als auch im digitalen Bereich. Prävention, Aufklärung und niedrigschwellige Beratungsangebote sind hier unverzichtbar. So schaffen wir ein Reinickendorf, in dem Älterwerden von Sicherheit, Teilhabe und gegenseitiger Unterstützung geprägt ist.